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Von Friedrich zu Friedrich oder Islamisches Preußen(tum)

Deutscher Brunnen in Istanbul, entworfen von Kaiser Wilhelm II.

Ab den 23. März 2014 ist im Brandenburg-Preußen-Museum in Wustrau eine Sonderausstellung über Türken, Mohren und Tataren - Muslime in Preußen zu sehen. Angelehnt an dieses Thema möchten wir Ihnen einen Interessanten Artikel der bereits 1996 veröffentlicht wurde ans Herz legen. Ein völlig ungewöhnlicher Blick auf Preußen wird uns hier präsentiert. "Der Islam gehört zu Deutschland" so sagte es einst unser Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Auf jeden Fall mehr als uns vieleicht bewusst ist! Viel Vergnügen. 

Von Abdul Malik Konz 


Über Preußen spricht und schreibt man wieder. Bewunderung und Verurteilung liegen oft dicht nebeneinander. Die einen empfehlen eine Rückbesinnung auf die preußischen Tugenden des Verzichts, des verantwortlichen Dienens, der Gerechtigkeit  und der Toleranz. Andere warnen vor Regulationswut, aufgeblähter Bürokratie und dem Selbstzweck staatlicher Institutionen. Es gibt Karrikaturen und Glorifizierungen.Preußen war ein königlicher Staat, und mußte aufgegeben werden, weil sein Königtum zur Aufgabe gezwungen wurde. Preußen hat am 19. November 1918 zu bestehen aufgehört und nicht erst 1933 oder gar 1945, auch wenn der Staat Preußen und die Idee des Preußischen Staates vom Alliierten Kontrollrat offiziell am 7. Februar 1947 durch das Gesetz Nr. 46 für aufgelöst erklärt wurde.

Es ist allgemein bekannt: Der einstige Staat Preußen erfreut sich keines guten Angedenkens. Eine breite Öffentlichkeit verbindet mit Preußen Säbelrasseln, Kadavergehorsam und Kaserne als Lebensform, und so gilt Preußen als Symbol eines zu verabscheuenden Ungeistes. Und ein Preußen dieser Art wäre in der Tat nurmehr verachtenswert. Man muß jedoch dieses von der Propaganda geschaffene Schablonenbild zurückweisen. Es verhält sich zum wirklichen Preußen wie eine Karikatur zum Original. Die Welt, in der die braunen Bataillone ihren Marsch in die totale Zerstörung angetreten haben, hat nichts mit dem gemein, was man das Lebensgesetz Preußens nennen könnte. Preußens Farben sind Schwarz und Weiß. Die braune Mischfarbe war allen wirklich preußischen Instinkten zuwider. Jedoch sind die Preußen zu lange den Befehlen eines Diktators gefolgt, wenn auch das Attentat vom 20. Juli 1944 im wesentlichen vom preußischen Adel ausging, der sich damit einen Rest von Würde bewahrte.

Und auch wenn Preußen leider immer mehr im deutschen Nationalstaat und seinem romantischen Volksgetümel auf- bzw. untergegangen war, sollte uns dies nicht davon abhalten, einen Blick auf die 700 Jahre Preußischer Geschichte zu werfen. Waren in Preußen Wertvorstellungen entwickelt und kultiviert, die auch nach dem Untergang dieses Staatswesens eine bleibende Bedeutung haben, so lohnt es sich, zu fragen: Was war Preußen wirklich? Was der Kerngehalt der Preußischen Staatsidee? Was deren geistige Wurzeln? 

Wir leben in einer Zeit wachsender politischer und geistiger Verwirrung. Strukturelle Armut sowie soziale und ökonomische Krisen spitzen sich weltweit zu. Zugleich erleben wir einen fundamentalen Verfall kultureller und moralischer Werte. Die politische Klasse ist dabei, Arm in Arm mit dem geistigen Management der Kirchen, überwiegend in einem Zustand aus Feigheit, Ratlosigkeit und Verlogenheit befangen.

Die Frage lautet, ob politisch-geistige Orientierungslosigkeit und Oberflächlichkeit des satten Wohlstandslebens sich nicht, einmal genauer besehen, gerade als Folge des Verlustes der preußischen Tugenden des Dienens verstehen lassen, der selbstlosen Pflichterfüllung und der Bescheidenheit. Stand Freiheit zu jener Zeit wie selbstverständlich immer in Verbindung mit Pflicht und Verantwortung, waren Gerechtigkeit und Toleranz keine leeren Formeln, sondern in die Ordnung des Staatswesens manifestiert. Worauf gehen diese Tugenden zurück?

Das Dienen war nach Rangstufen hierarchisch gegliedert und zuletzt an die  Autorität des Königs gebunden, der sich selbst der Würde des Königtums zu unterwerfen hatte. Und dieses entspringt – ein übergeschichtliches Prinzip allgemeiner Geltung – dem Glauben an den absoluten Gott, den wirklichen und wahren König. So konnte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I., ein Zeichen politischer Hochkultur in Europa, sagen: „Ich bin der erste Diener des Königs von Preußen.“ Und wenn der König von Preußen, sagt, er sei der erste Diener des Königs von Preußen, wer anders hätte da der „König“ von Preußen sein können als Gott!

Die Anfänge Preußens reichen weit zurück in die Geschichte des 13. Jahrhunderts. Nach der offiziellen Geschichtsschreibung hatte der polnische Herzog Konrad von Masowien (Masuren) 1225 die deutschen Ordensritter gegen die der Christianisierung widerstrebenden Pruzzen zu Hilfe gerufen und dafür die Überlassung des umstrittenen Kulmer Landes und anderer Grenzgebiete versprochen. Die Pruzzen waren ein baltischer Volksstamm, zwischen Germanen und Slawen stehend, die naturreligiösen Bräuche pflegten. Der Stauferkaiser Friedrich II. ermächtigte den befreundeten 4. Hochmeister des Deutschen Ordens St. Marien zu Jerusalem, Hermann von Salza, zur Herrschaft in dem ihm zugesagten Territorium „für alle Zeiten“ (Goldbulle v. Rimini - März 1226).

Der Orden sollte das Land und das zu erobernde Gebiet zu freiem und unverletzlichem Besitz erhalten. Damit war für Hermann von Salza ein Aktionsprogramm zur Schaffung eines autonomen Staatswesens gegeben. Nach klugen Verhandlungen mit der römischen Kurie bestätigte der Papst in der Preußenbulle von 1234 die Belehnung von erobertem Gebiet an den Deutschen Orden. Um der praktischen Bedeutung dieses geschichtlichen Augenblicks zu entsprechen, brauchte Hermann von Salza die doppelte Anknüpfung an Kaiser und Papst für seine Staatsgründung als Schutz nach außen gegen konkurrierende weltliche Gewalten und nach innen gegen eine im Entstehen begriffene bischöfliche Landeshoheit.

Der Mutterboden, auf welchem der Deutsche Ritterorden samt seinen älteren Brüdern, den Templern und Johannitern erwuchs, war die Welt der Kreuzfahrerstaaten in Palästina und Syrien. Gerade Hermann von Salza war der eifrigste Organisator für seinen kaiserlichen Herrn, den Stauferkaiser Friedrich II. Dessen Beziehung und Haltung zur Welt der Muslime war, sehr zum Argwohn des römischen Papstes, von einem hohen Maß an Toleranz, Friedfertigkeit und Wertschätzung geprägt. So übten die palästinensischen Verhältnisse auf den deutschen Orden auch noch in Preußen eine islamfreundliche, ja prinzipiell islamisierende Tendenz aus. Dieser Zusammenhang wird um so deutlicher, wenn man sich ausführlicher dem größten Kaiser des Mittelalters zuwendet, mit dem Hermann von Salza vertraut und eng verbündet war. Das fruchtbare Zusammenwirken dieser beiden herausragenden Persönlichkeiten stellt sozusagen die geistige Wiege des Ordensstaates dar, aus dem später das preußische Königreich und Staatswesen hervorging.

Friedrich war zeitlebens ein mal versteckter, mal offener Gegner des Weltherrschaftsanspruchs der Katholischen Kirche und der Päpste. Seine Geisteshaltung erregte schon zu seinen Lebzeiten das Staunen, aber auch das Grauen seiner Zeitgenossen. Sie nannten ihn „Wunder und Wandler“ der Welt. Wir haben schon gesehen [vgl. den vorangegangenen Artikel von Tarik E. Knapp], daß das absurde Konstrukt eines „Aufklärers“ ohne Vorläufer in der tiefsten Nacht mittelalterlicher Christlichkeit allein deshalb einen Anschein von Plausibilität hatte, weil Europa den aufklärenden Charakter des Islam nachhaltig ignoriert hatte. Und wir finden [siehe ebenda] eine Fülle von Indizien dafür vor, daß der deutsche Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen Muslim war.

Friedrich II. war tödlich bedroht durch den Papismus. Er war, um den Kirchenbann zu brechen, gezwungen, Jerusalem „zu befreien“. Der Sultan überließ ihm Jerusalem ohne Kampf, weil er an der Macht Friedrichs II. Interesse hatte. Das war die islamische Gemeinsamkeit. Friedrich hatte nur zwei verläßliche Stützen: seine muslimische Leibgarde und den Deutschritterorden unter Hermann von Salza. Der Dar-ul-Islam jedoch war damals in Zentralasien bereits von Dschingis Khan besiegt worden. Der Papst suchte ein Bündnis mit dem vermeintlichen „Priesterkönig Johannes“ in der Mongolei, wo in der Tat christliche Nestorier lebten. Die Mongolen sollten den Bereich des Islam von Osten her aufrollen, was eine zweite Eroberung Jerusalems durch einen echten blutigen Kreuzzug ermöglicht hätte. Friedrichs Pakt mit dem Sultan schaffte den Vorwand für einen blutigen Kreuzzug aus der Welt und brach zugleich die päpstliche Bannung. Friedrichs Gegengabe an den Islam bestand in der Entsendung des Deutschritterordens, dieses zum Islam geneigten Ordens (ähnlich dem Templerorden) hinaus aus dem päpstlichen Reichs-Gebiet, zuerst nach Siebenbürgen, dann nach Preußen. Preußen wurde also zunächst als Ordensstaat gegründet infolge einer strategischen Absprache des insgeheim muslimischen Hohenstaufen-Kaisers Friedrich II. mit dem Sultan von Kairo. Preußen war somit seinem Wesen nach ein Außenfort des Islam im Norden und sollte zur Vormacht des deutschen Protestes gegen das imperiale Machtstreben des römischen Kirchenchristentums werden.

Auf diese Weise begann die Geschichte des Preußischen Staatswesens, dessen unterbewußtes islamfreundliches Lebensherz unter den preußischen, (nicht-katholischen) Königen auflebte, als muslimische Ulanen unter dem hohenstaufisch-hohenzollerischen Adler kämpften.

Der anfängliche Ordensstaat war einerseits von friederizianischem Geist geprägt, der sich in erster Linie in den Beamtenbestimmungen der Ordensstatuten ausdrückte. Auf der anderen Seite hat auch das allgemeine Erbgut der Mönchsregeln auf die Statuten eingewirkt. Hervorzuheben ist hier, daß die Brüder alle „superfluitates“ (Übermaß),„proprietates“ (Besitzstreben) und „singularitates“ (Sunderlichheit, d. h. wörtlich Absonderung) zu vermeiden angehalten wurden. Bei verschiedensten Anlässen wird die „uniformitas“ (Vereinheitlichung) als ein anzustrebendes Ziel betont; im Grunde genommen die geistige Voraussetztung wahrer Brüderlichkeit. Scharfe Kontrolle und übersichtliche Ordnung wurden wesentliche Faktoren, die zur späteren Größe des Ordensstaates beigetragen haben.

Eine präzise arbeitende Verwaltung eines in herber nüchterner Zucht erwachsenen Beamtentums wurde entwickelt. Die Tugenden Disziplin, Treue, Sparsamkeit und uneigennütziges Dienen zeichneten den preußische Gesamtstaat über lange Zeit aus. Es ist auch klar, daß dies große Anforderungen an die Qualität ihrer Führer stellte. Hermann von Salza hatte dem Ordensstaat schon von Anfang an diese Bahnen gewiesen. Als Staatsmann großen Stils gelang ihm ähnlich wie von Bismarck mit der Gründung des Deutschen Reiches eine Art bewußter Staatsschöpfung in Form eines feinen und komplizierten Kunstgebildes, in dem auf allen Ebenen die geistigen und ethischen Grundlagen einer für Gerechtigkeit und Frieden einstehenden Ordnung immer hart erarbeitet werden mußten. Zum Ende hin gelang dies nicht zuletzt äußerer Einflüsse destruktiver imperialer Machtpolitik wegen, die einer lauteren preußischen Interessenpolitik entgegenstand, immer weniger. Die Bestandteile der preußischen Staatsidee waren Toleranz, Gerechtigkeit und die Freiheit, die allerdings eingebunden war in die Verbindlichkeit verantwortlicher Pflichterfüllung im Sinne des Staates und seiner Prinzipien. Die praktizierte Rechtsstaatlichkeit mit dem Prinzip der Toleranz als einer tragenden Säule dieses Staates wurde erst sichtbar, als sich die Herrschaft der Hohenzollern über das Umfeld der deutschen Landesfürsten heraushob. Der große Kurfürst schuf durch seine territorial ausgereifte Politik die Voraussetzung dafür. Sein Nachfolger Kurfürst Friedrich III. ließ sich mit barockaler Prachtentfalung zum König krönen, ein unübersehbarer Akt der Rangerhöhung Preußens gegenüber seinen Territorialstaaten.

Sein Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm I., der sogenannte Soldatenkönig, warf kurzerhand das ganze absolutistische Herrschaftsritual mit all seinem Pomp über Bord. Ihm ging es um das Wesen, nicht um die Form der Macht. Er war der „preußischste“ aller Preußenkönige. Trat er doch im Bürger- und Soldatenrock unters Vollk. Unermüdlich arbeitend, anordnend und inspizierend lebte er in einer selbstgewählten bescheidenen Umgebung. Von ihm stammt der ehrenvolle Satz: „Ich bin der erste Diener des Königs von Preußen.Friedrich Wilhelm I. hat nicht bloß das Königtum stabilisiert, sondern er hat fundamental saubere Prinzipien aufgegriffen und wieder zurechtgerückt und an die Stelle von Zerfahrenheit, selbstischer Vielherrschaft und Willkür Prinzipien der Ordnung und Gerechtigkeit gesetzt. Er unterschied zwischen einem gerechten und ungerechten Krieg, und er bat seine Nachfolger, keinen ungerechten Krieg anzufangen, damit der liebe Gott sie und ihre Armee segne und Bravour gebe. Seinen Sohn und Nachfolger mahnte er in seinem politischen Testament: „Der liebe Gott hat Euch auf den Thron gesetzt, nicht um zu faulenzen, sondern zu arbeiten und seine Länder wohl zu regieren“.

Sein Sohn aber, Friedrich II. genannt der Große, ist einen anderen Weg gegangen. Nicht Recht oder Unrecht eines Krieges beispielsweise, sondern seine politische Wünschbarkeit für den Staat sind zur Richtschnur seines Handelns geworden. Disziplin ist das Zauberwort in seinem Munde; die Hoheit des Staates, sparsame Lebensführung und phrasenlose Pflichterfüllung wurden in seiner Gestalt verkörpert alspreußischen Tugenden. „Friedrich ist der erste reine Politiker, den die moderne Geschichte kennt, der nichts im Rücken hat als den Staat selbst“, schreibt Hans Joachim Schoeps in Die Ehre Preußens (Stuttgart 1951, S. 13).Weiter heißt es: „Weder das Reich noch die Nation, weder die Religion noch die Kultur geben seiner Politik ihre Rechtfertigung.“ Allein der Staat selbst sei es, auf den er alles an „Glanz und Wärme“ zurückwerfen müsse. Der auf seine Ordnung und Militärmacht gebaute Staat ist zum Inhalt der Religion, ja zur Religion selbst geworden. „Ich bin der erste Diener meines Staates“ heißt es jetzt in hybrider Bescheidenheit.Und an die Stelle einer religiösen gottergebenen Staatsauffassung tritt nun eine abstrakte Staatsreligion. Man spürt sofort den ganz anderen Hintergrund. Führung und Staatsraison beginnen, sich vom Glauben an Gott und der Verbindlichkeit Seiner Gesetze zu lösen. Preußen schien auf dem Höhepunkt seines Glanzes angelangt zu sein, tatsächlich hatte er ihn schon überschritten.Dies mochte bei der Genialität und Aufgeklärtheit im Stile eines Friedrich des Großen einige Zeit gut gehen. Jedoch bildete sich hier bereits schon der Schatten für eine dämonische Versuchung durch unberufene Geister, für die es dann später zunächst keine Kontrolle mehr gab.

Bismarck war der politische Architekt der Gründung und Gestaltung des Deutschen Nationalstaates von 1871. Er sah die Sonderrolle Preußens in Europa. Er betrieb eine ethisch fundierte Interessenpolitik gegen eine imperial motivierte Machtpolitik europäischer Großmächte. Das Aufgehen Preußens im deutschen Nationalstaat war im Zusammenspiel der europäischen Großmächte ein schwieriges Unternehmen, sollten sich doch die geistigen Grundlagen dieses Staatswesens im Interesse der Gerechtigkeit und der Würde des Menschen weiter entfalten. Denn die historische Rolle Preußens bestand seit seiner Gründung im Zusammenwirken von Hermann von Salza mit dem Stauferkaiser Friedrich II. im Ausbau der Vormacht des deutschen Protestes gegen die römisch imperiale Kirche. Sie diente der Kristallisation jenes antirömischen deutschen Sonderweges, der mit Armin beginnt, mit den salischen und staufischen Kaisern weiterführt und sich in den Schlachten des großen Friedrich kontinental durchsetzte. Dieser Sonderweg manifestierte sich dann ebenso in der Reichsgründung Bismarcks und mündete schließlich in das Bündnis der Mittelmächte mit den Osmanen. Wir müssen feststellen, daß der weltoffene, preußisch-islamische Geist seiner Gründer in vielen Bereichen seine Spuren hinterließ,sich aber nie offen entfalten konnte oder durfte. Die „Reformation“ bezog sich in erster Linie in Protest und Opposition auf die katholische Kirche und schaffte nicht den Durchbruch zur Religion eines weltoffenen Islam, der ihrer Triebkraft im Geiste Friedrichs II., des heimlichen deutschen Muslim-Kaisers, eigentlich innewohnte. Auch bei von Bismarck finden wir das gleiche Dilemma vor, daß Preußen sich nie offen zu den islamisch-geistigen Wurzeln seiner Gründerzeit bekennen konnte und diese sich im Taktieren mit der übermächtigen katholischen Kirche abschwächen mußten.

So mögen wir überrascht sein, wenn wir selbst bei Otto von Bismarck eine starke Berührung mit dem Islam feststellen. Tatsächlich lesen wir in einem seiner Briefe: „Ich habe alle himmlichen Bücher, die von Gott zur Leitung herabgeschickt worden sind, sorgfältig studiert. Durch die Verfälschungen konnte ich die Wahrheit, die ich suchte, nirgendwo finden. Die Gesetze sind zu weit entfernt, das Glück der Menschheit zu sichern. Aber der Koran der Mohammedaner ist frei von diesen erschwerenden Geboten. Ich habe den Koran von jeder Seite und auf jeden Punkt hin untersucht. In jedem Wort habe ich eine große Weisheit gefunden.“ Und an anderer Stelle heißt es zu unserer wirklich großen Überraschung: „Ich behaupte folgendes: Mohammed ist eine ausgezeichnete Macht ...O Mohammed!Es betrübt mich, daß ich Dein Zeitgenosse nicht sein konnte ... Die Menschheit hat nur einmal eine Macht wie Dich geschaut ... Dementsprechend beuge ich mich mit großer Ehrfurcht vor Deiner Erscheinung.

Es reicht nicht mehr aus, den Problemen der heutigen Zeit mit moralischen Appellen an preußische Tugenden zu begegnen. Preußen mußte erst einmal untergehen, weil die geistigen Fundamente seiner Gründerzeit mit der Entwicklung seines politischen Systems nicht in gebotenen Maße gepflegt worden waren und so hätten mitwachsen können. Preußen wurde stark, weil es als ein spirituell-politisches Aktionsprogramm für Toleranz, Würde und Gerechtigkeit seine geistigen Wurzeln von Anfang an im lebendigen Islam gefunden hatte. Preußen ist heute zunächst nicht mehr vordergründig eine Frage territorialer Gebietsansprüche. Vielmehr wird Preußen genau dort wieder unmittelbar lebendig, wo man sich seiner geistigen Grundmomente erinnert, welche übergeschichtlichen Charakter haben, da sie auf göttliche Gesetze zurückgehen. Hatte Otto von Bismarck großen Respekt, ja Liebe zum Propheten Muhammad erkennen lassen, auf dem der Friede sei, so sollten wir uns nicht darüber wundern, daß man heute vor allem in der Islamischen Welt große Sympathien für Preußen findet. Ein Beispiel ist der ehrenwerte Naqshibandi-Orden, dessen geistiges Erbe sich über die Kette seiner autorisierten Meister und Führer vom Propheten Mohammed, Heil und Friede seien auf ihm, bis in die heutige Zeit bewahrt hat. Diese über die ganze Welt verbreitete Tariqat hat eine starke Tradition in den südlichen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, besonders in Daghistan und im derzeit von Rußland terrorisierten Tschetschenien. Scheich Muhammad Nazim, Nachfolger des aus Daghistan stammenden Großscheichs Abdullah, möge Allah ihn segnen, sieht die Lösung für Europa darin, daß die Monarchien wieder zurückkehren. Ausdrücklich erwähnt er den preußischen König.

Als ich vor kurzem dem muslimischen Bosnien einen Besuch abstattete , lernte ich den 1. Kommandanten der größten Brigade, dem Herzstück der bosnischen Armee, kennen, einen Naqshibandi-Scheich. Die Friedfertigkeit seiner Truppe und deren edle Entschlossenheit, dafür zu kämpfen, daß Menschen in Würde leben können, hat selbst eine Delegation aus dem Amerikanischen Kongreß, wie mir berichtet wurde, tief beeindruckt.

Derzeit organisieren sich in Europa und der Türkei Muslime unter dem Namen der Neuen Osmanen. Diese scheinen sich an der Tradition der Naqshibandiyya zu orientieren und in einer neuen Initiative ein starkes geistiges Kraftfeld auszubilden, dasimmer mehr Menschen anzieht.

Auch Preußen könnte aufgrund seiner geistigen Tradition seinen natürlichen historischen Platz im Verbund der Neuen Osmanen haben. Angesichts weltweiter Katastrophen und dem totalen Versagen unserer zeitgenössischen politischen Systeme könnte ein auf der Grundlage des universellen Gottesgesetzes wiedererrichtetes Preußen zu einer grundsätzlichen Erneuerung beitragen.