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Tradition und Brauchtum

Alpenpanorama bei Füssen

"Wir Bayern müssen, wenn es die Geschichte erfordert, bereit sein die letzten Preußen zu werden!" konstatierte einst Franz Josef Strauß auf einem Parteitag 1974. Nennen sie es Fügung, dass ein gebürtiger Bayer seit 14 Jahren in Berlin lebend, eine Interessengemeinschaft vertritt, die  für den monarchischen Gedanken einsteht - gut, das ist nicht so verwunderlich, sind doch die Bayern im Grunde ihres Herzens alle königstreu. Doch hier folgt jetzt, was als ein Wunder erachtet wird: dass zum anderen, sein Herz auch für Preußen schlägt.

Die alte Fehde zwischen Bayern und Preußen sollte ad acta gelegt werden, das ist heute nicht mehr  zeitgemäß. Die Bayern wie die Preußen verbindet neben zwei Vermählungen zwischen den Königshäusern noch etwas mehr: die bayrische Tracht. Einst von Maximilian II. zur Stärkung des „Wir-Gefühls“ unter der bayrischen Bevölkerung ins Leben gerufen.

Nur wenige wissen, dass die traditionelle bayrische Tracht, wie wir sie heute kennen, gerade mal rund 150 Jahre alt ist und von zwei preußischenTuchschneidern im Auftrag von König Maximilian II. entworfen und geschneidert wurde. Auch die Albinowurst, die so geliebte bayrische Weißwurst ist nicht königlich bayrischer Herkunft sondern französischer und noch ein Überbleibsel des Napoleon-Besuchs, der uns die Trennung zwischen dem heutigen Bayern und Baden Württemberg bescherte.

Es geht mir nicht darum diese wundervollen Traditionen zu schmälern. Anders herum geht es nämlich auch. Die beliebte Berliner Bockwurst ist nicht Alt-berlinerisch sondern jüdisch und die Berliner Boulette in aller Munde ist französisch genauer hugenottisch.  Vielmehr möchte ich aufzeigen, wie wichtig Traditionen und Brauchtum in der Gesellschaft sind, um eine Verbindungen zwischen der Bevölkerung zu bilden und um sie zu vereinen. Das ist das Schöne an unserer deutschen Sprache, ein Wort reicht aus, um es auf den Punkt zu bringen. Vereinen, eine Gruppe unterschiedlicher Menschen, einem Leitgedanken folgend, miteinander zu verbinden. Das ist die Aufgabe von Tradition und Brauchtum, das gleiche Schema findet sich aber auch in der Monarchie. 

Der Verein ist in seinen Strukturen der Monarchie sehr ähnlich. Jeder Erzieher, Lehrer, Psychologe wird Ihnen den Wert von Traditionen und Ritualen in Familie und Schule um Stärkung und Orientierung zu bieten, bestätigen. Genau so, wie jede Familie ihre Traditionen hat, so hat auch jede Region, jede Volksgruppe in der Welt ihre eigenen Traditionen, um Gemeinschaft herzustellen.

Der moderne Mensch sieht Traditionen oftmals als antiquiertes Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit an. Dabei brauchen wir zu jeder Zeit immer wiederkehrende Ereignisse zur Orientierung. Die Unternehmen haben sich zum Beispiel dieses Schema längst zu nutze gemacht, durch ständiges Wiederholen Ihrer Slogans und Markenzeichen. Selbst in der Wüste von Afrika findest du die rot-weiße Werbung der Plastikbrause. Sofort wird damit ein Lebensgefühl assoziiert. Die Werbung ist eine Kopie des herkömmlichen Brauchtums. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wiederholt sich das Gleiche in vorgegebener Weise, sodass sich alle daran erinnern und mitwirken können.

Traditionen der Vergangenheit waren an bestimmte geschichtliche oder familiäre Ereignisse gebunden und tatsächlich sehr oft nachvollziehbar, wogegen die heutigen “Traditionen“ weitestgehend an die Werbung von Unternehmen gebunden sind. In Berlin ist z.B. bereits der Weihnachtsmarkt abgeschafft und durch den Wintermarkt, das Martinsfest durch das Sonne-Mond und Sternefest ersetzt worden. Da kann die Produktpalette natürlich unendlich erweitert werden. „Traditionen“ von heute sind höchst kurzlebig und zweckgebunden. Natürlich habe ich mich gefragt, welchen Ursprung und Wahrheitsanspruch es hat,  zu glauben, dass wer an Ostern ein rohes Ei über das Hausdachwirft und es auf der anderen Seite gefangen wird, es das ganze Jahr Glück bedeutet. Die Antwort meiner Oma war, das hat meine Oma schon gemacht und das ist Tradition. Das war natürlich keine befriedigende Antwort im Sinne einer schlüßigen Erklärung aber es hat mir ein Gefühl von Sicherheit auf der einen Seite und ein Zugehörigkeitsgefühl auf der anderen Seite vermittelt. Ich fühlte mich als Teil von etwas Besonderen. Und das ist es im Grunde, der Mensch möchte Teil von etwas Besonderen, Großen sein, er möchte nicht allein dastehen. Die Markenzeichen ersetzen herkömmliche Traditionen und vermitteln für ein paar Euros:“Hier kannst Du Mitglied „Der“ Community sein.“

Heute weiß ich durch Recherche, dass diese Tradition des Eier-Werfens auf vorchristliche Zeiten zurück geht. Lesen Sie dazu den Wikipedia-Eintrag:“Eierorakelwaren in der Römischen Antike bekannt, sie gehören zum germanischen Aberglauben und werden bis heute mit unterschiedlichen Methoden in einigen Kulturen in Asien praktiziert. Ihre Bedeutung hängt mit der Beziehung des Menschen zu Hühnern zusammen, die seit alter Zeit als Orakel- und wunscherfüllende Opfertiere fungieren. Das Ei symbolisiert Leben und Fruchtbarkeit, häufig werden ihm magische Wirkungen zugesprochen. Eine zentrale Bedeutung für die traditionelle Kultur besitzt das mit Eiern durchgeführte Wurforakel bei den Khasi in Nordostindien“.

Die meisten katholischen Traditionen sind heidnischen Ursprungs. Das war die Taktik der damaligen katholischen Kirche, um der Bevölkerung nicht etwas völlig neues überzustülpen und Ablehnung zu erzeugen, hat man einfach althergebrachtes mit der eigenen Ideologie verknüpft. Im Grunde wird dieses System immer noch verwendet.

Aktuell findet dieses Vorgehen in der Europäischen Union höchsten Anklang, um die einzelnen Länder dem großen Ganzen der EU anzugleichen. Leider bleibt die Identität (Tradition und Brauchtum) der einzelnen Mitgliedsländer weitesgehend auf der Strecke, denn alles wird einer gewissen Normung unterworfen, wie z.B. die Naturheilkunde, Volksfeste, Lebensmittel, Bekleidung u.s.w. Die einzelnen Richtlinien fallen nicht so sehr ins Gewicht aber es macht die Summe. Wie heißt es so schön „Brot besteht aus vielen Krümeln!“ Der gravierendste Bruch aber war das Austauschen der Währung. Die typische Landeswährung verbindet die Menschen auf eine emotionale Art, die kaum in Worte gefasst werden kann. Es gehört zur Identität. Natürlich ist das kaum rational zu erklären aber es ist so!

Es entsteht ein seltsamer Einheitsbrei. Dabei weiß doch der Volksmund: „Viele Köche verderben den Brei“. Noch ein Beispiel zur Verdeutlichung. Nimmst du einem Kind das Kuscheltier, an das es sich seit Jahren gewöhnt hat und zu einem Teil von ihm geworden ist weg und ersetzt es durch etwas neues unbekanntes, entsteht Verunsicherung. Der Erwachsene ist da in keiner Weise anders. Gibst du einem Iphone Liebhaber ein Nokia Handy in die Hand und sagst es gibt ab heute nur noch das, wird er nicht dein Freund werden.

Der Mensch, unser Herz braucht eine Verbindung zu anderen Menschen, zur Gesellschaft zur Führung des Landes, damit Identität und Gemeinschaft wachsen kann und wir nicht verunsichert werden. Das Brauchtum ist ein geeignetes Mittel dafür. Vielleicht sollte die Führung unseres Landes sich ein Beispiel an König Maximilian II. nehmen. Denn wenn es ein Wir-Gefühl in der Bevölkerung gibt, nimmt das Verunsicherungsgefühl automatisch ab und somit auch die Angst vor unseren neuen Mitbewohnern aus fernen Ländern. Denn Mia san Mia und die anderen sind Herzlich Willkommen!