Startseite | Medienarchiv | Denkschriften | Erlebte Geschichte(n)

Orient trifft Okzident - Treffen der Osmanen in Berlin

Seine Hoheit Prinz Selim Faruk Efendi (Bild Mitte)

Am 08.11.1898 sprach Kaiser Wilhelm II am Grab von Sultan Saladin in Damaskus folgenden Satz: "Möge der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedander, die, auf der Erde zerstreut lebend in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird." Dieser Satz wurde in hoher Auflage als Postkarte in Deutscher und Osmanischer Sprache verbreitet um die Freundschaft der Deutschen mit den Osmanen zu unterstreichen. Im Zuge meiner Recherchen stieß ich auf die Ausstellung "Kaiser Wilhelm II. und der Orient" die 2005 im Schloss Sanssouci zu sehen war. Der Katalog ist noch erhältlich, wenden Sie sich bitte an die Vermittlung der Stiftung Preußische Schlösser in Potsdam 03301-96940, es gibt leider nur noch wenige Exemplare.

Es war von der Begeisterung Kaiser Wilhelms II. zum Orient zu lesen, von Gastfreundschaft, Respekt, Vertrauen und nicht zu letzt von der Freundschaft zu Sultan Abdul Hamid II.

Der Wunsch, mehr über diese Zeit, das Land und die Menschen in Erfahrung zu bringen wurde geweckt. Ich durchstreifte Bibliotheken, das Internet und las alles was ich in die Finger bekommen konnte. Es gab dabei eine solche Menge geschichtlicher Querverweise, daß es eine längere Zeit dauern wird, diese aufzuarbeiten.

Die Geschichte der Osmanen wird genauso kontrovers geführt, wie die der Deutschen. Erst in den letzten Jahren ist es möglich geworden alte Denkstrukturen durch neue Erkenntnisse aufzubrechen und eine differenzierte Sichtweise zu gewinnen.

Wir fanden heraus, dass es in Berlin den Monarchie-Verein Yeni Osmanlilar Saltanat gibt.

Ähnlich unserem Verein "Neue Deutsche Monarchie e.V." fördern sie den monarchischen Gedanken. Das Ziel unserer Vereine ist es, Vorurteile durch gemeinsame Unternehmungen auszuräumen, den Dialog zwischen den Menschen und Konfessionen zu förden.

In der Türkei gibt es zur Zeit eine wahre Renaissance des monarchischen Gedankens. Die Frage nach einem evtl. neuen Sultan ist in aller Munde. Sowohl Radio als auch Fernsehen, Zeitungen und Talkshows befassen sich mit dieser Thematik.

Die Geschichte der Türken (Osmanen) in Berlin/Deutschland geht weit zurück. Man findet Deutschlandweit Gräber von Türken, die bis über 300 Jahren zurückreichen. Hier einige Eckdaten, ausführlicher werden wir in den nächsten Wochen berichten.

-1701 Mektupcu Azim Said Efendi war der erste Osmanische Botschafter in Berlin/Königsberg und anwesend bei den Krönungsfeierlichkeiten.

-1731 Der Herzog von Kurland überlässt Friedrich Wilhelm I. 20 türkische Gardesoldaten.

-1732 ließ er in Potsdam einen Saal am langen Stall als Moschee umbauen, er legte großen Wert darauf dass "seine Mohammedaner" ihren religiösen Pflichten nachgingen.

-1761 Preußisch - Osmanisches Freundschafts - und Handelsabkommen

-1763 zweiter osmanischer Gesandter in Berlin: Ahmed Resim Efendi trifft ein, u.a. zur Beratung über ein Militärbündnis.

-1797 dritter osmanischer Gesandter in Berlin: Giritli Ali Aziz Efendi (eine Gedenktafel befindet sich in der Urbanstraße an dessen ehem. Wohnsitz), er stirbt 1798 in Berlin.

-1866 Gründung des Deutsch - Türkischen Friedhofs Türk Sehitligi in Neukölln am Columbiadamm. Ein Obelisk, das Gastgeschenk, ist heute noch zu sehen.

-18.01.1871 Krönung von Kaiser Wilhelm I. (1861-1888) in Versailles.

-31.08.1876 Abdül Hamid II. wird Sultan.

Als weiteres Zeugniss soll es in Buckow bei Berlin ein Haus geben, an dessen Wand man noch das Bild eines Osmanischen Reiters erkennen kann.


Mein Besuch bei den Neuen Osmanen in Berlin 


Mit dem Besuch des Neuen Palais im Park Sanssouci in Potsdam in Anwesenheit Seiner Hoheit des Prinzen Selim Faruk Efendi, direkter Nachfahre und Neffe Se. Maj. Sultan Selim Hann II. begann die zweitägige Veranstaltung.

Wir waren eine Gruppe von rund 80 Personen, es waren u.a. Besucher aus Frankreich und Holland anwesend. In zwei Gruppen geteilt wurden wir durch das Palais geführt. 30 der 200 Zimmer konnten wir besichtigen. Angesichts der damaligen Zeit, in der das Schloss errichtet wurde, ist es erstaunlich mit welchem Geschick und Können dieses umgesetzt wurde. Im Anschluss daran folgten ein Spaziergang durch den Park, gemeinsames Essen und Meditation.

Ich wurde sehr freundlich empfangen, und alle meine Fragen wurden ohne Zurückhaltung Beantwortet. Ich muss gestehen, die türkische Gastfreundschaft ließ keine Wünsche offen.

Am frühen Abend fand ein Abendessen mit türkischen Spezialitäten statt, die Frauen die das Essen zubereiteten und die jungen Männer die es Servierten waren mit einem Eifer und einer Freunde am Werk die ich bis Dato noch nicht kannte. Ein gemeinsames Gebet eröffnete das Mahl.

Später am Abend durfte ich dann dem gemeinsamen Dhikr, die Meditation in Sufitradition bei welcher die 99 schönen Namen Gottes rezitiert werden, beiwohnen. Die Meditation dauerte ca. eine Stunde. Danach wurde Kaffee, feines Gebäck und Obst gereicht.

Zum Abschluß kamen wir in den Genuss einer musikalischen Darbietung eines jungen Türken und einer Buddhistin, die so wunderbar zeigten, wie man traditionelles beider Kulturen vereinen kann.

Als nächster Punkt stand am nächsten Tag ein gemeinsames Mittagsmahl auf dem Programm, gefolgt von einem Vortrag. Diese Vorträge sind eine interessante Mischung, aus traditioneller Rede und Poesie gespickt mit Anekdoten, Gleichnissen und Weisheiten aus Vergangenheit und Gegenwart.

Es gab noch einige Gesangseinlagen Ilahis genannt. Diese sind vergleichbar den Lobpreisungen, Kyrie oder Gloria des Christentums.

Am Nachmittag klang die Veranstaltung langsam aus, nicht aber ohne dem traditionellen Cay (türkischer Tee), Gebäck etc.

Ich bin im Nachhinein immer noch überwältigt von den vielen neuen Eindrücken, die fremd aber doch nicht befremdlich waren, von der Gastfreundschaft, die trotz allem Neuen durch ihre echte Herzlichkeit sofort ein Gefühl des Dazugehörens schuf und nicht zuletzt der Anwesenden, die durch den Respekt und die Tolleranz gegenüber Anderen eine schöne Athmosphäre des Willkommenseins erzeugten.

Nun kann ich Verstehen, warum Kaiser Wilhelm II. so begeistert war. Was in der Vergangenheit gut war sollte in der Gegenwart gepflegt werden.

Gerne nehme ich die Einladung an die zum Abschied ausgesprochen wurde, wann immer mir der Sinn danach steht, zu einem Besuchen vorbei zu kommen.

Zum Abschluss möchte ich hierzu nocheinmal Kaiser Wilhelm II. Zitieren, der 1889 auf der Rückreise von Konstantinopel sagte: "Nach einem Aufenthalte, der einem Traume gleicht, und welcher durch die freigebigste Gastfreundschaft der Großherren zu einem paradiesischen gemacht worden ist, passiere ich soeben bei schönem Wetter die Dardanellen."

Wir bedanken uns für die Einladung!