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Dichter und Denker

Der Worte sind genug gewechselt ...

Es ist nicht genug zu wissen - man muss auch anwenden.
Es ist nicht genug zu wollen - man muss auch tun.

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„Habe Mut, dich deines
eigenen Verstandes zu bedienen!“

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Gedichte von Denkern


Hermann Hesse :: 1941
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Theodor Strom ::
Größer werden die Menschen nicht,
doch unter den Menschen
größer und größer wächst
die Welt des Gedankens.

Strengeres fordert jeglicher Tag
von den Lebenden.
Und so sehen es alle,
die zu sehen verstehen:
Aus dem Glauben des Kreuzes
bricht ein andrer hervor,
selbstloser und größer;
dessen Gebot wird sein:

Edel lebe und schön,
ohne Hoffnung künftigen Seins
und ohne Vergeltung,
nur um der Schönheit des Lebens willen.

Christian Fürchtegott Gellert ::
Wenn ich, o Schöpfer Deine Macht,
die Weisheit deiner Wege,
die Liebe, die für alle wacht,
anbetend überlege,
so weiß ich, von Bewund’rung voll,
nicht, wie ich Dich erheben soll,
mein Gott, mein Herr und Vater!

Mein Auge sieht, wohin es blickt,
die Wunder deiner Werke:
Der Himmel, prächtig ausgeschmückt,
preist Dich, du Gott der Stärke!
Wer hat die Sonn an ihm erhöht?
Wer kleidet sie mit Majestät?
Wer ruft dem Heer der Sterne?

Wer misst dem Winde seinen Lauf?
Wer heißt die Himmel regnen? 
er schließt den Schoß der Erde auf,
mit Vorrat uns zu segnen?
O Gott der Macht und Herrlichkeit,
Gott, deine Güte reicht so weit,
so weit die Wolken reichen!

Dich predigt Sonnenschein und Sturm,
Dich preist der Sand am Meere.
Bringt, ruft auch der geringste Wurm,
bringt meinem Schöpfer Ehre!
Mich, ruft der Baum in seiner Pracht,
mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht;
bringt unserm Schöpfer Ehre!

Der Mensch, ein Leib, den deine Hand
so wunderbar bereitet,
der Mensch, ein Geist, den sein Verstand
Dich zu erkennen leitet:
Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis,
ist sich ein täglicher Beweis
von Deiner Güt und Größe.
Erheb ihn ewig, o mein Geist,
erhebe seinen Namen!
Gott, unser Vater, sei gepreist,
und alle Welt sag Amen!
Und alle Welt fürcht ihren Herrn,
und hoff auf ihn und dien ihm gern:
Wer wollte Gott nicht dienen?

Hoffmann von Fallersleben :: 1841

Ich stimme für die Monarchie,
da gibt‘ s noch Rang und Stände;
mit Republik geht Poesie
und alles Glück zu Ende.

Ich stimme für die Monarchie,
wenn wir darin nicht wären,
wie könnten wir doch ohne sie
so viele Leut‘ ernähren ?

Ich stimme für die Monarchie,
für Würden, Titel, Orden;
in Republiken sind noch nie
Verdienste was geworden.

Ich stimme für die Monarchie,
wo die Zensur noch waltet,
wo nicht der Presse Despotie
nach Herzenslüsten schaltet.

Ich stimme für die Monarchie,
wo weise wird regieret,
weil Grundbesitz mit Hab‘ und Vieh
nur ist repräsentieret.

Ich stimme für die Monarchie,
die gibt noch gute Rente;
es gab die Republik noch nie
vier oder fünf Prozente


Friedrich Schiller :: 1795

Willst du, Freund, die erhabensten Höhn der Weisheit erfliegen,
Wag es auf die Gefahr, daß dich die Klugheit verlacht.
Die kurzsichtige sieht nur das Ufer, das dir zurückflieht,
Jenes nicht, wo dereinst landet dein mutiger Flug.

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