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Dichter und Denker

Der Worte sind genug gewechselt ...

Es ist nicht genug zu wissen - man muss auch anwenden.
Es ist nicht genug zu wollen - man muss auch tun.

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„Habe Mut, dich deines
eigenen Verstandes zu bedienen!“

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Gedichte von Denkern


Christian Fürchtegott Gellert ::

Oft klagt dein Herz, wie schwer es sei,
Den Weg des Herrn zu wandeln,
Und täglich seinem Worte treu,
Zu denken und zu handeln.
Wahr ist's, die Tugend kostet Müh,
Sie ist der Sieg der Lüste;
Doch richte selbst, was wäre sie,
Wenn sie nicht kämpfen müßte?

Die, die sich ihrer Laster freun,
Trifft die kein Schmerz hienieden?
Sie sind die Sklaven eigner Pein,
Und haben keinen Frieden.
Der Fromme, der die Lüste dämpft,
Hat oft auch seine Leiden;
Allein der Schmerz, mit dem er kämpft,
Verwandelt sich in Freuden.

Des Lasters Bahn ist anfangs zwar
Ein breiter Weg durch Auen;
Allein sein Fortgang wird Gefahr,
Sein Ende Nacht und Grauen.
Der Tugend Pfad ist anfangs steil,
Läßt nichts als Mühe blicken;
Doch weiter fort führt er zum Heil,
Und endlich zum Entzücken.

Nimm an, Gott hätt es uns vergönnt,
Nach unsers Fleisches Willen,
Wenn Wollust, Neid und Zorn entbrennt,
Die Lüste frei zu stillen;
Nimm an, Gott ließ den Undank zu;
Den Frevel, dich zu kränken;
Den Menschenhaß: was würdest du
Von diesem Gotte denken?

Gott will, wir sollen glücklich sein,
Drum gab er uns Gesetze.
Sie sind es, die das Herz erfreun,
Sie sind des Lebens Schätze.
Er redt in uns durch den Verstand,
Und spricht durch das Gewissen,
Was wir, Geschöpfe seiner Hand,
Fliehn, oder wählen müssen.

Ihn fürchten, das ist Weisheit nur,
Und Freiheit ist's, sie wählen.
Ein Tier folgt Fesseln der Natur,
Ein Mensch dem Licht der Seelen.
Was ist des Geistes Eigentum?
Was sein Beruf auf Erden?
Die Tugend! Was ihr Lohn, ihr Ruhm?
Gott ewig ähnlich werden!

Lern nur Geschmack am Wort des Herrn
Und seiner Gnade finden,
Und übe dich getreu und gern,
Dein Herz zu überwinden.
Der Kräfte hat, wird durch Gebrauch
Von Gott noch mehr bekommen;
Wer aber nicht hat, dem wird auch
Das, was er hat, genommen.

Du streitest nicht durch eigne Kraft,
Drum muß es dir gelingen.
Gott ist es, welcher beides schafft,
Das Wollen und Vollbringen.
Wenn gab ein Vater einen Stein
Dem Sohn, der Brot begehrte?
Bet oft; Gott müßte Gott nicht sein,
Wenn er dich nicht erhörte.

Dich stärket auf der Tugend Pfad
Das Beispiel selger Geister;
Ihn zeigte dir, und ihn betrat
Dein Gott und Herr und Meister.
Dich müsse nie des Frechen Spott
Auf diesem Pfade hindern;
Der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott,
Und nicht bei Menschenkindern.

Sei stark, sei männlich allezeit,
Tritt oft an deine Bahre;
Vergleiche mit der Ewigkeit
Den Kampf so kurzer Jahre.
Das Kleinod, das dein Glaube hält,
Wird neuen Mut dir geben;
Und Kräfte der zukünftgen Welt,
Die werden ihn beleben.

Und endlich, Christ, sei unverzagt,
Wenn dir's nicht immer glücket;
Wenn dich, so viel dein Herz auch wagt,
Stets neue Schwachheit drücket.
Gott sieht nicht auf die Tat allein,
Er sieht auf deinen Willen.
Ein göttliches Verdienst ist dein!
Dies muß dein Herze stillen.


Julius Lohmeyer :: 1878

Willkommen daheim, mein Kaiser und Held.
Willkommen am festlichen Herde!
Nicht kehrst Du ein Sieger vom blutigen Feld,
Nicht vom Kampf um die heimische Erde.
Um den wir gebangt in zagender Pein,
Gezittert mit trauerndem Herzen,
Ein Sieger ziehst Du heut Aviederum ein,
Erstanden von Leiden und Schmerzen.

Wir nah'n Dir, o Herr, in der Ehrfurcht Bann,
Doch mit schmeichelndem Wort nicht und Bücken,
Erhobenen Hauptes, dem Manne der Mann,
Mit frei aufschauenden Blicken.
Nicht den mächtigen Herrscher in Ruhmesglanz,
Nicht den Cäsar gilt es zu grüssen,
Wir legen den schlichten Eichenkranz
Dem Vater des Volkes zu Füssen.

Dem Fürsten, dem frei das männliche Wort
Darf nah'n ohne Zagen und Scheue,
Der in irrenden Tagen uns galt als ein Hort
Grad' rechtlicher Mannheit und Treue.
Dem die Seele erglüht gleich dem heimischen Wein
Voll herzhafter Kraft und voll Milde,
Dem die Ehre erstrahlt in blitzendem Schein
Von der Wahrheit leuchtendem Schilde.

Dem erhabenen Greis, der ein eherner Held,
Trotz der lastenden Jahre Bürde,
Als ein Bürge uns ragt für den Frieden der Welt,
Für des Vaterlands Hoheit und Würde.
Dess' gläubiger, muthvoller Herrschergeist,
Wie Jehova in leuchtender Wolke,
Der Zukunft lichtereBahnen weist
Dem muthlos zagenden Volke.

Willkommen, mein Kaiser! Vergessen das Leid!
Aufs Neu uns geschenkt und errettet!
O fühl', wie die trübe, die schmerzvolle Zeit
Die Seele des Volks Dir verkettet.
Ein Sieger ziehest Du wiederum ein,
Ein Sieger der Herzen aufs Neue!
Ein Königreich nennst Du an Liebe Dein,
Ein Kaiserreich, Herrscher, an Treue!


Friedrich der Große :: 1765

O dieses gräßliche Gesindel,
Das Börsenspekulanten heißt!
Spitzbuben mit dem Diebwerksbündel,
Auswurf von eklem Höllengeist!
Es überkommt uns schon ein Schwindel,
Wenn man auf ihre Namen weist.

Web' ich mit meiner Dichterspindel
Das grobe Zeichen ab: Boué,
Dann schreit gewiß Apollo: weh!
Die Feder sträubt sich, den Kumpanen
Der Satansbrut den Dienst zu leihn;
Sie stockt und hält mit Schaudern ein,
Gilt es die Namen Wurmb, van Sanen,
Die ans Groteske uns gemahnen.

Nun schaut sie selber an, die drei –
Im Mummenschanz der Gaunerei,
Die Helden in dem Reich der Zahlen!
Wie sie mit plumper Pinselei
Habgier und Wucher übermalen –
Wie sie mich hier und dort bestahlen
Durch Wechsel, Schuldscheinfopperei,
Mit Quittungskram und kolossalen
Bankrechnungen – Gott steh mir bei!
Zu dem Geschäft mich herzugeben!

Das dumme Zeug geht mir ans Leben!
Ich magre ab, ich möcht' vergehn
Bloß wegen dieser Kerle eben,
Die abgefeimt nur danach streben,
Daß ihre Kurse pari stehn.

Ihr Schufte, schmutzig wie Chinesen
Und noch verschmitzter, habt ihr mal
Den Aristoteles gelesen?
Wißt ihr, wer Locke und La Motte gewesen?
Nein, dazu seid ihr viel zu schal –
Die Geistesnahrung war' euch Qual.
Die Wissenschaft geht in die Binsen,
Und nur, wo's was zu rechnen gibt,
Da seh' ich die Gesichter grinsen.
Das einzige ist, was euch beliebt,
Fünfzehn Prozent an Wucherzinsen.

O welch ein lächerliches Los
Ist uns Monarchen aufgezwungen!
Man zieht sich solche Lumpen groß!
Ihr Treiben schon ist sittenlos;
Doch brauchen sie noch ihre Zungen,
O welche Marter für mein Ohr!

Noch eben waren mir erklungen
Gesänge aus dem Dichterchor,
Das Lied Homers, das uns begeistert,
Das Lied Virgils, das Herzen meistert –
Kaum steigt der Wunderborn empor,
Wird er durch Pöbelschlamm verkleistert.

Rasch flücht' ich mich zum Musenhain,
Um froh beseligt nah zu sein
Deinen neun Töchtern, Mnemosyne!
Dort sog ich einst die Hoffnung ein,
Daß mir des Ruhmes Lorbeer grüne.
Die Sünden büßen will ich dort,
Abschwören meine Frevelpläne!

Und in dem Quell der Hippokrene
Schwemm' ich den alten Unrat fort.
Rein bad' ich mich an diesem Ort
Von allem Schmutz und eklen Säften
Aus den verruchten Geldgeschäften,
Eh' meine Lebenskraft verdorrt.

Ja, beim Permessus will ich schwören
Und schwören, Gott Apoll, bei dir:
Nie soll mich Plutus mehr betören,
Nie wecken eine schnöde Gier!
Das Gift, vom Leibe halt' ich's mir,
Will nur aufs Wort der Musen hören,
Mich laben an den Zauberchören,
In ihrem heiligen Revier!

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